Reicht es, nur in den MSCI World zu investieren?

Mit einem MSCI World ETF investierst du in rund 1’300 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Das klingt bereits ziemlich breit gestreut. Reicht es also, nur in den MSCI World zu investieren?
Das Wichtigste in Kürze
- Der MSCI World kann eine gute Basis sein, ist aber noch kein vollständig diversifiziertes Portfolio.
- Er enthält rund 1’300 Indexpositionen aus 23 Industrieländern. Schwellenländer und kleinere Unternehmen fehlen.
- Rund 72 % entfallen derzeit auf US-Unternehmen und der gesamte Index besteht aus Aktien.
- Zusätzliche ETFs oder Tech-Aktien können bestehende Schwerpunkte unbemerkt verstärken.
- Ob der MSCI World zu dir passt, hängt von deinen Zielen, deinem Anlagehorizont und deiner Risikofähigkeit ab.
Was ist der MSCI World eigentlich?
Der MSCI World ist ein Aktienindex. Er legt nach festen Regeln fest, welche Unternehmen aus welchen Ländern enthalten sind und wie stark sie gewichtet werden.
Ein ETF auf den MSCI World versucht, die Entwicklung dieses Index möglichst genau nachzubilden. Es gibt deshalb nicht den einen MSCI-World-ETF, sondern verschiedene Fonds unterschiedlicher Anbieter, die denselben Index abbilden.
Der MSCI World umfasst grosse und mittelgrosse börsenkotierte Unternehmen aus 23 entwickelten Märkten – darunter die USA, Japan, Grossbritannien und die Schweiz. Innerhalb dieser Länder deckt er rund 85 % der frei handelbaren Marktkapitalisierung ab.
So ist der MSCI World aktuell zusammengesetzt
- Indexpositionen: 1’283
- Enthaltene Länder: 23 Industrieländer
- Anteil USA: 72,45 %
- Zehn grösste Indexpositionen: 25,74 %
- Informationstechnologie: 30,27 %
Die Gewichtung erfolgt nach der Marktkapitalisierung. Je höher der Börsenwert eines Unternehmens ist, desto grösser ist sein Anteil im Index. Diese Gewichte sind nicht fix. Steigt ein Unternehmen stärker als andere, wächst automatisch auch sein Anteil. Verliert es an Wert, wird sein Gewicht kleiner. Der Index folgt also laufend den Veränderungen an den Börsen.
Stand: 30. Juni 2026. Quelle: MSCI World Index Factsheet.
Ist der MSCI World ausreichend diversifiziert?
Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, womit du ihn vergleichst.
Innerhalb der Aktienmärkte entwickelter Länder ist der MSCI World breit gestreut. Mit einem einzigen ETF verteilst du dein Geld auf mehr als tausend Unternehmen aus unterschiedlichen Ländern und Branchen. Das ist deutlich diversifizierter als ein Portfolio aus wenigen Einzelaktien.
Der MSCI World bildet aber weder den gesamten globalen Aktienmarkt noch ein vollständiges Anlageportfolio ab.
Diversifikation kann auf mehreren Ebenen stattfinden:
- über einzelne Unternehmen
- über Branchen
- über Länder und Regionen
- über Unternehmensgrössen
- über Währungen
- über verschiedene Anlageklassen
Der MSCI World deckt einige dieser Ebenen gut ab. Andere fehlen vollständig.
Wo die Grenzen des MSCI World liegen
1. Schwellenländer fehlen
Der MSCI World enthält nur Unternehmen aus entwickelten Märkten. Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien, Südkorea oder Taiwan sind nicht Teil des Index.
Wer diese Märkte ebenfalls abdecken möchte, kann beispielsweise einen zusätzlichen Emerging-Markets-ETF verwenden oder einen breiteren Index wählen, der Industrie- und Schwellenländer bereits kombiniert.
Das bedeutet nicht, dass Schwellenländer automatisch bessere Renditen liefern. Sie können stärker wachsen, aber auch politisch, wirtschaftlich und währungsbedingt höhere Risiken mitbringen. Der Vorteil liegt vor allem darin, dass ein zusätzlicher Teil des globalen Aktienmarktes abgedeckt wird.
2. Small Caps sind nicht enthalten
Der MSCI World enthält Large und Mid Caps – also grosse und mittelgrosse börsenkotierte Unternehmen. Kleinere Unternehmen, sogenannte Small Caps, fehlen.
Das sind nicht automatisch bessere oder wachstumsstärkere Anlagen. Sie reagieren aber teilweise anders auf wirtschaftliche Entwicklungen als Grosskonzerne. Wer auch diesen Teil des Aktienmarktes abdecken möchte, benötigt einen Small-Cap-ETF oder einen Index, der verschiedene Unternehmensgrössen einschliesst.
3. Der MSCI World besteht nur aus Aktien
Ein MSCI-World-ETF verteilt dein Geld auf viele Unternehmen, aber nicht auf verschiedene Anlageklassen. Er bleibt ein reines Aktieninvestment.
Damit kann sein Wert stark schwanken. Laut MSCI lag der maximale historische Rückgang des Index zwischen Oktober 2007 und März 2009 bei rund 57 %. Ein konkreter ETF und die Wertentwicklung in Schweizer Franken können aufgrund von Kosten und Währungseffekten davon abweichen.
Andere Anlageklassen wie Anleihen oder Edelmetalle entwickeln sich teilweise anders als Aktien. Sie können helfen, Risiken breiter zu verteilen – auch wenn keine Anlageklasse in jeder Krise automatisch Schutz bietet.
Börsenkotierte Immobilienunternehmen sind im MSCI World zwar enthalten. Sie machten im Juni 2026 aber nur rund 1,7 % des Index aus und sind nicht mit direkten Immobilienanlagen gleichzusetzen.
4. Der USA-Anteil ist hoch
Rund 72 % des MSCI World entfallen derzeit auf US-Unternehmen. Die zehn grössten Indexpositionen machen zusammen rund ein Viertel des Index aus. Diese Konzentration ist real. Sie ist aber nicht automatisch ein Fehler.
Der hohe Anteil entsteht, weil US-Unternehmen derzeit einen grossen Teil der globalen Börsenwerte ausmachen. Viele davon verdienen ihr Geld weltweit. Gleichzeitig verändert sich die Ländergewichtung mit den Märkten. In den 1980er-Jahren war beispielsweise Japan wesentlich stärker im MSCI World vertreten als heute.
Trotzdem sollten Anleger:innen wissen, dass die Entwicklung des MSCI World stark vom US-Aktienmarkt und von einigen sehr grossen Unternehmen beeinflusst wird.
Wer den USA-Anteil bewusst reduziert, weicht damit von der aktuellen Gewichtung des globalen Marktes ab. Das kann sinnvoll sein – ist aber ebenfalls eine aktive Entscheidung und nicht automatisch besser diversifiziert.
Mehr ETFs bedeuten nicht automatisch mehr Diversifikation
Es gibt keine feste Anzahl an ETFs, die ein gutes Portfolio haben muss. Ein einziger ETF auf einen sehr breiten globalen Index kann stärker diversifiziert sein als ein Portfolio aus mehreren Branchen-, Länder- oder Themen-ETFs. Mehr Fonds können sogar zu unbemerkten Überschneidungen führen.
Entscheidend ist deshalb nicht, wie viele ETFs du besitzt, sondern was darin enthalten ist.
Zusätzliche ETFs können unterschiedliche Aufgaben erfüllen:
- Ein Emerging-Markets-ETF erweitert den Aktienanteil um Schwellenländer.
- Ein Small-Cap-ETF ergänzt kleinere Unternehmen.
- Ein Anleihen-ETF verändert die Risikoverteilung über verschiedene Anlageklassen.
- Ein Edelmetall-ETF kann zusätzliche Diversifikation bringen.
- Ein Schweizer Aktien- oder Anleihen-ETF kann den Anteil von Anlagen in Schweizer Franken erhöhen.
Wenn du nur einen ETF auf den MSCI World hältst, musst du die enthaltenen Unternehmen nicht selbst rebalancieren. Der Index wird laufend angepasst.
Rebalancing wird dann wichtig, wenn du mehrere Bausteine mit bestimmten Zielgewichtungen kombinierst. Steigen Aktien beispielsweise deutlich stärker als Anleihen, wächst der Aktienanteil im Portfolio. Dadurch kann das Portfolio mit der Zeit riskanter werden als ursprünglich geplant.
Was Schweizer Anleger:innen beachten sollten
Für Anleger:innen in der Schweiz spielt neben der Aktienauswahl auch die Währung eine Rolle.
Ein ETF, der an der Börse in Schweizer Franken gehandelt wird, ist nicht automatisch gegen Fremdwährungsbewegungen abgesichert. Entscheidend ist, in welchen Währungen die enthaltenen Unternehmen und Anlagen wirtschaftlich verankert sind.
Eine echte Währungsabsicherung wird normalerweise ausdrücklich als «CHF hedged» bezeichnet. Dabei versucht der Fonds, einen Teil der Auswirkungen von Wechselkursschwankungen zu reduzieren. Eine solche Absicherung verursacht jedoch Aufwand und kann die Wertentwicklung positiv oder negativ beeinflussen. UBS erklärt die Funktionsweise von Währungsabsicherungen bei ETFs.
Wie wichtig eine CHF-Ausrichtung ist, hängt auch von der Lebensphase ab. Wer noch mehrere Jahrzehnte investiert, hat andere Bedürfnisse als jemand, der bald einen grossen Teil seiner Ausgaben aus dem Portfolio finanziert.
Gerade vor und während der Pensionierung sollte deshalb nicht nur der ETF betrachtet werden, sondern das gesamte Finanzleben:
- Pensionskasse und Säule 3a
- vorhandene Immobilien
- liquide Reserven
- geplante Auszahlungen
- regelmässige Einnahmen und Ausgaben
- Risikobereitschaft und Risikofähigkeit
Vermeide diesen klassischen Fehler beim MSCI World
Ein typisches Portfolio entsteht ungefähr so:
Du startest mit einem MSCI-World-ETF. Eine einfache, bekannte und breit gestreute Lösung. Nach einiger Zeit liest du immer wieder, wie stark sich der S&P 500 entwickelt hat – also kaufst du auch davon einen ETF.
Nach einigen Jahren möchtest du auch noch in einzelnen Aktien investieren und investierst natürlich in deine Lieblingsfirmen - Nvidia, Apple oder Microsoft. Die Unternehmen sind erfolgreich, ständig in den Medien und ihre Aktienkurse sind stark gestiegen. Jeder einzelne Kauf fühlt sich deshalb sinnvoll an.
Doch irgendwann besteht dein Portfolio aus mehreren ETFs und Einzelaktien, die zu einem grossen Teil dieselben Unternehmen enthalten. Nvidia, Apple und Microsoft sind bereits im MSCI World und im S&P 500 stark vertreten. Im MSCI World machen diese drei Unternehmen zusammen aktuell rund 13 % aus.
Ohne es bewusst geplant zu haben, wird aus einem breit gestarteten Portfolio so immer stärker eine Wette auf den US-Markt und einige wenige Tech-Unternehmen.
Das ist nicht automatisch falsch. Du solltest aber wissen, welches Risiko du damit eingehst. Frage dich deshalb vor jedem zusätzlichen Kauf:
Ergänzt diese Anlage mein Portfolio – oder kaufe ich nur mehr von dem, was ich bereits besitze?
Wie Selma dir ein globales Portfolio erstellt
Selma sucht nicht einfach den einen «besten ETF». Zuerst analysiert Selma deine gesamte finanzielle Situation: deine Sparmöglichkeiten, vorhandene Anlagen, Immobilien und Hypotheken, kurzfristige Ausgaben, deinen Anlagehorizont sowie das Risiko, das du tragen kannst und möchtest.
Auf dieser Grundlage erstellt Selma ein persönliches Portfolio. Es basiert auf einem globalen Marktportfolio und kann – je nach Situation – verschiedene Bausteine enthalten:
- globale Aktien für langfristiges Wachstum
- Staats- und Unternehmensanleihen für mehr Stabilität
- Immobilienanlagen zur zusätzlichen Diversifikation
- Edelmetalle als weiterer Portfolio-Baustein
- Auch Krypto kann ein freiwilliger Bestandteil deines Portfolios bei Selma sein
Wie diese Anlagen gewichtet werden, ist nicht für alle gleich. Wenn du beispielsweise bereits eine Immobilie besitzt, sieht dein Portfolio möglicherweise anders aus als bei jemandem ohne Wohneigentum. Wer bald Geld benötigt oder sich der Pensionierung nähert, braucht wiederum eine andere Risikoverteilung als jemand, der noch mehrere Jahrzehnte investiert.
Auch nach dem Start bleibt Selma dran. Das Portfolio wird automatisch überwacht und rebalanciert. Dabei berücksichtigt Selma Veränderungen an den globalen Märkten sowie Aktualisierungen deiner finanziellen Situation.
Das Ziel ist nicht, kurzfristige Börsentrends vorherzusagen, sondern dein Portfolio langfristig im passenden Gleichgewicht zu halten.
Mit einem einzelnen ETF triffst und verwaltest du diese Entscheidungen selbst. Selma ist deshalb eine gute Lösung für alle, die ein professionell zusammengestelltes Portfolio möchten, ohne sich laufend um Auswahl, Gewichtung und Anpassungen kümmern zu müssen.
Wie das im Detail funktioniert, erfährst du in unserer zweiteiligen Serie:
Fazit: Reicht ein MSCI World ETF?
Der MSCI World ist eine solide und kostengünstige Basis. Als alleinige Anlagestrategie ist er jedoch weniger breit aufgestellt, als sein Name vermuten lässt: Rund 72 % entfallen auf US-Unternehmen und der gesamte Index besteht aus Aktien.
Gerade bei grösseren Anlagebeträgen sollte das Vermögen nicht zu stark von einer Region oder Anlageklasse abhängig sein. Ein gutes Portfolio verteilt das Risiko zusätzlich über verschiedene Märkte und Anlageklassen – passend zum eigenen Anlagehorizont und zur persönlichen Situation.
Du kannst eine solche Strategie selbst aufbauen und verwalten. Oder du überlässt es Selma: Selma erstellt dir ein persönliches, weltweit diversifiziertes Portfolio und kümmert sich automatisch um die laufende Verwaltung und Anpassung.

Mag. Niklas Linser
Niklas Linser ist bei Selma Finance für Marketing und Inhalte rund ums Investieren verantwortlich. Seit über zehn Jahren beschäftigt er sich mit digitalen Finanzlösungen und der Frage, wie Geldanlage für alle einfacher und verständlicher wird. Er hat internationale Wirtschaftswissenschaften studiert und übersetzt bei Selma komplexes Finanzwissen in klare Worte – ob es um ETFs, langfristigen Vermögensaufbau oder Ruhestandsplanung geht. Sein Ziel: Finanzthemen so erklären, dass sie nicht nur verständlich, sondern auch nützlich sind – für alle.
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